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15.8.2019, Tania Tammling

Vom 3. bis 9. August 2019 fand die Weltmeisterschaft der Europe-Klasse in El Balís, Barcelona, Spanien, statt. Insgesamt gingen 103 Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei der Regatta an den Start und kämpften bei Leichtwindbedingungen um den Weltmeistertitel bei den Europe-Damen und Europe-Herren.
Ich fuhr relativ kurzentschlossen zur Weltmeisterschaft, für die ich mich noch im letzten Jahr qualifiziert hatte. So begann ich fünf Wochen vor dem Start meinen strengen Sport- und Diätplan, um mich kurzfristig bestmöglich vorzubereiten.
Nach einer 23-stündigen Autofahrt mit viel Stau und meiner Europe auf dem Anhänger kam ich am Sonnabend spät abends bei dem ausrichtenden Verein am Mittelmeer an. Schnell nahm ich meinen Platz auf dem nahe gelegenen Campingplatz ein, um mich von der Fahrt ein wenig auszuruhen; denn am nächsten Morgen standen Anmeldung und Vermessung an. Glücklicherweise bin ich ja bereits ein alter Hase und bestens vorbereitet gewesen, was meine Vermessungspapiere angeht. Auch bei meinem Equipment, welches gewogen, gemessen und nach den Sicherheitsbestimmungen kontrolliert wurde, gab es keinerlei Beanstandungen, so dass ich nach zwei Stunden fertig war. Danach stand noch Polieren und Boot Aufbauen auf dem Plan. Am Abend wurde die Weltmeisterschaft mit einem Umzug durch den Ortskern und einer anschließenden Eröffnungsrede feierlich eröffnet. Zudem bekamen wir eine für die Region traditionelle Show mit Feuerwerkskörpern dargeboten.
Für die fünf Wettfahrttage waren jeweils zwei Wettfahrten am Tag geplant. Der Montagmorgen zeigte sich für das Revier typisch windstill. Nach einigen Stunden Startverschiebung erst an Land und dann auf dem Wasser wurden am Abend alle Wettfahrten für den Tag abgesagt. Der Dienstag fing genauso an, wie der Montag geendet hatte - mit Startverschiebung, zunächst an Land, später auf dem Wasser. Glücklicherweise schaffte die Damen-Fleet eine Wettfahrt bei leichtem Wind, bevor dieser wieder einschlief. Die Herren verpassten den Wind aufgrund von vielen Startversuchen mit Frühstartern. Ich kam als 7. ins Ziel und war damit sehr zufrieden, da meine Stärke bei viel Wind liegt.
Als ich am Mittwochmorgen aufwachte und sich wieder kein einziges Blatt am Baum bewegte, fragte ich mich, wozu ich die letzten fünf Wochen eigentlich so viel Sport gemacht hatte. Meine Muskeln wurden bisher jedenfalls nicht beansprucht. Die Diät hingegen erwies sich als sehr sinnvoll, denn jedes Kilo im Boot weniger war bei dem leichten Wind vorteilhaft. Trotz schlechter Windvorhersage wurden wir aufs Wasser geschickt. Nach einer Stunde Startverschiebung ertönte dann das erste Ankündigungssignal. Der Wind war ungleichmäßig und drehig. Dazu kam eine Strömung von 30 Metern die Minute, was das Segeln extrem anspruchsvoll machte. Nach zwei geschafften Wettfahrten schlief das bisschen Wind was da war wieder ein und die weiß/rot gestreifte Startverschiebungsflagge wurde erneut gehisst. Nach eineinhalb Stunden Wartezeit auf dem Wasser wurden wir erlöst und alle weiteren Wettfahrten für den Tag abgesagt. Ich war froh darüber, denn mit den Platzierungen 33 und 21 segelte ich mich auf Platz 21 in der Ergebnisliste.
Am Abend fand das Sailor‘s Dinner am Privatstrand des Segelclubs statt. Die Teilnehmer/innen wurden mit Paella versorgt, und es wurde noch bis in den späten Abend getanzt. Mich trieb es aber schon früh ins Bett. Ich konnte meine Enttäuschung über den schlechten Segeltag nicht verbergen und wollte fit für die letzten angesetzten sechs Wettfahrten sein. Als ich am Donnerstag allerdings aufwachte und wieder kein Wind zu sehen war, fiel es mir zunehmend schwer, motiviert zu bleiben. Auch das Weather Briefing zu dem ich jeden Morgen ging, versprach nichts Gutes. Der vierte Tag begann also wieder mit Startverschiebung. Doch plötzlich spürte ich einen Windhauch. Die Wettfahrtleitung entschied richtig, uns direkt aufs Wasser zu schicken, und ein schöner thermischer Wind von bis zu 11 Knoten setzte sich durch. Die drei Wettfahrten liefen perfekt für mich. Super Starts, richtige taktische Entscheidungen und auch Speed und Höhe waren optimal. Nach der letzten Wettfahrt wurde ich direkt von dem Vermesser abgefangen und musste mit meinem Material zur Kontrollvermessung. Meine leichte Nervosität, dass etwas nicht stimmen könnte, war unbegründet. Mein Material war innerhalb der Messmarken und Sicherheitsrichtlinien. So fand ich meinen Namen am Ende des Tages mit den Platzierungen 8, 5 und 3 am Abend wieder auf Platz 7 der Ergebnisliste.
Für den letzten Tag versprach der Wetterbericht guten Wind, der sogar noch durch Thermik verstärkt werden sollte. Der leichte Wind direkt am Morgen machte mich ganz euphorisch, und ich wollte noch einmal alles geben. Das erste Startsignal erfolgte pünktlich, doch der angekündigte Wind war noch nicht da. Die leichte Brise vom Morgen war zwar ausreichend zum Segeln, doch weit von dem entfernt, worauf ich gehofft hatte. Fest in dem Glauben, dass die Thermik noch kommen würde, versuchte ich mich zu konzentrieren und mein Boot schnell zu segeln - vergebens. Die Thermik kam den ganzen Tag nicht mehr und meine Platzierungen waren mit 20, 18 und 15 schlecht in den drei Wettfahrten. Zutiefst enttäuscht segelte ich in den Hafen und ging davon aus, mein Minimalziel der Top-10-Platzierung nicht erreicht zu haben. Der Blick auf die Ergebnisliste überraschte mich dann aber positiv. Bei der Siegerehrung wurde ich mit Platz 10 von 44 Teilnehmerinnen bei der WM 2019 aufgerufen.
Weltmeisterin wurde zum achten Mal in Folge die Dänin Anna Livbjerg. Silber ging an die Spanierin Ascensión Roca de Togores Benabent und Bronze an die Spanierin Elisabet Llargués.
Bei den Herren gewann der Spanier Pau Schilt, zweiter wurde der Spanier Alejandro Pareja Gonzáles und dritter der Norweger Lars Johan Brodtkorb.
Mit gemischten Gefühlen machte ich mich auf den Heimweg, der dieses Mal nur 17 Stunden dauerte. Ich hatte mir für die WM eine bessere Platzierung gewünscht, doch aufgrund der für mich schwierigen Windbedingungen kann ich mit dem Ergebnis noch zufrieden sein. Es zeigt mir aber, dass ich noch mehr dafür tun muss, um auch bei leichtem Wind einen guten Bootsspeed zu erzielen. Vielleicht bekomme ich in diesem Jahr ja noch einmal die Chance dazu, eine Regatta bei Leichtwind zu segeln - ich hoffe es aber nicht.
Ahoi, eure Tania
 

Fotos von Laura Carrau

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Das Titelfoto ist ein Ausschnitt aus einem der beiden Fotos im Text. Sonst wurden keine Veränderungen vorgenommen

 

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