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Berichte

Von den Florida Keys nach Eckernförde

Eine Überführung mit Hindernissen

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Ich bin einer der Neuen in Eckernförde. Mein Name ist Jörg, und zusammen mit meiner Frau und meinem Sohn haben wir einen Trimaran namens „Pegasus“. Als wir Himmelfahrt das Boot nach Eckernförde legten, schlug uns jemand vor, dass ich mich vielleicht mit der Geschichte unseres Bootes, das doch schon etwas auffälliger ist, über die Vereins-Nachrichten vorstellen könnte. Hier ist also eine kurze Zusammenfassung:
Im Sommer 2013 war ich mit meiner Familie mit unserem kleinen Trimaran ohne jeglichen Luxus unterwegs. Meine Frau meinte, dass sie als nächstes gerne einen Trimaran mit Bordtoilette hätte. Auch wenn dies nicht ernst gemeint war, war mir der Wunsch meiner Frau Befehl, und ich begann sofort mit der Suche, um ihren Wunsch zu erfüllen. Schließlich fand ich ein Segelboot, welches die Kriterien erfüllte.
Dieses Boot war schnittig, ausreichend komfortabel und finanzierbar. Die „Pegasus“ ist sehr individuell gebaut. Drei Rümpfe, freistehende Masten, alles um offshore unabhängig leben zu können. Es war Liebe auf den ersten Blick. „Pegasus“ lag in einem der schönsten Segelreviere der Welt. Der Haken: es war nicht die dänische Südsee, sondern die Keys in Florida.
Es begann ein lebhafter E-Mail Verkehr. Viele Mails später flogen wir nach Miami, um uns das Boot anzusehen und Probe zu segeln. Für meine Familie war es keine Liebe auf den ersten Blick, aber ich setzte mich durch und wir kauften das Boot, auch wenn meine Frau Bedenken hatte, dass das Boot für uns zu groß sei.
Die Idee war, das Boot kurz nach dem Kauf nach Deutschland zu segeln. Ich fand jedoch keine Mitsegler, da niemand während der Herbststürme segeln wollte. Das war schon ein komisches Gefühl, ein Boot gekauft zu haben, und es ein halbes Jahr liegen zu lassen, um es dann im Mai, der empfohlenen Zeit für Atlantiküberquerungen, nach Europa hinüber zu segeln.
Ein halbes Jahr lang haben wir uns informiert, Ausrüstung gekauft und alles Mögliche geplant. Wir lasen die Bücher von Wilfried Erdmann mit großem Interesse. Wir machten unseren Funkschein, meine Frau machte den Sportbootführerschein-See. Somit bin ich einer der wenigen glücklichen Männer, deren Frau eine Segelyacht führen darf. Dann musste ja noch viel organisiert werden. An den Wochenenden saßen wir mit großen Checklisten beim Frühstück. Wir brauchten ein AIS, ein Satellitentelefon, das Wetter musste auch von unterwegs abrufbar sein. Meine Frau legte eine Internetseite - www.tri-pegasus.de - an, auf der unsere Reise verfolgt werden konnte. Wir beschafften uns ein B2-Visum, um mit dem Segelboot die USA verlassen zu können.
Unsere Liste umfasste dann auch noch die Bordapotheke. Zusammen mit meiner Mutter wurde diese gepackt. Gebraucht haben wir vorwiegend ein paar Pflaster, Antiseptische Salbe und H2O2 zur Wundinfektion, die Augentropfen und für unser Gastkind noch das Mittel gegen Reiseübelkeit.
1038 Florida Eckernfoerde 6Mit meiner Frau, unserem Sohn und einem Freund hatten wir ein paar schöne Tage in der Karibik, bevor die Crew in Miami ausgetauscht wurde. Meine Frau und die Kinder verließen das Schiff, und die Mitsegler kamen an Bord. In Miami wurden ein Riss im Großmast repariert und Ersatzteile für die Schmutzwasserpumpe besorgt. Auch ein zweiter AIS-Transponder wurde besorgt, da der erste nicht funktionierte.
Dem Wetterbericht zufolge, war ein schneller Aufbruch zwingend nötig, da der Wind auf Ost drehen sollte. Daher fuhren wir kurzerhand über Nacht mit dem Ziel Nassau los.
Kurz vor dem Erreichen von Cat Cay versagte der Autopilot und kurz danach auch das Ruder. Zum Glück war die Notpinne schnell bei der Hand und so konnten wir durch eine dreißig Meter breite Gasse mit schroffen Felsen auf beiden Seiten 20 Minuten nach dem Einsatz der Notpinne fahren, um dann das Boot kurz darauf sicher vor einem kleinen Flughafen zu ankern. Später lasen wir in der Seekarte, dass hier das Ankern auf Grund der anfliegenden Flugzeuge nicht vorgesehen war.
Interessanterweise haben wir es geschafft, mit den an Bord befindlichen Mitteln das Ruder wieder zu reparieren, und so segelten wir weiter nach Nassau. Nachts um 2:00 Uhr kamen wir in Nassau an. Nassau Harbour Control verweigerte uns das Einlaufen in den Hafen, so dass wir uns in der dunklen Nacht (es war Neumond) durch Korallenriffe wagten, um einen geeigneten Ankerplatz zu erreichen. Dem GPS-Kartenplotter sei es gedankt.
Wir segelten wieder los und meldeten uns über Funk bei Harbour Control an. Diesmal wurden wir gebeten, am Kai festzumachen, wo auch die Luxusliner anlegen. Als wir Kurs auf den Kai aufnahmen, wurden wir von der Wasserschutzpolizei abgefangen. Wir mussten mit dem Boot wieder ein Stück aus dem Hafen raus, um vor einem öffentlichen Badestrand zu ankern. Dort machten wir das Beiboot klar. Schnell hatten wir die ersten Einheimischen an Bord, die einfach zu unserem Boot schwammen und sich in die Netze legten. Das uns jetzt schon bekannte Eincheck-Chaos begann. Zwei von uns fuhren mit dem Beiboot unter Polizeigeleit zurück zum Kai. Von hier aus ging ich an Land, um mich mal wieder durchzufragen, wo Immigration und Customs erledigt werden könnte. Dort angekommen sagte man mir, dass das Boot vorgeführt werden müsse. Also wieder zurück zum Boot und auf dem Weg die Polizei informiert. Mit der „Pegasus“ einmal um den Kai herumgefahren, um auf die Rückseite zu gelangen. Eine Beamtin schaute einmal von der Ferne auf unser Boot. Danach hatten wir zum Glück und ohne weitere Probleme Customs und Immigration erledigt. Eine halbe Stunde später waren wir endlich an unserem vorgesehenen Ankerplatz und konnten unseren Landgang vorbereiten.
Am nächsten Abend bargen wir eine Stunde vor Einbruch der Dunkelheit den Anker, um noch schnell im schwindenden Licht die Segel hochziehen zu können. Der Wind frischte gründlich auf. So zogen wir schnell hinaus. Da wir hoch am Wind laufen wollten, knallten wir die Segel kräftig an. So kräftig, dass die Schnellreffs rissen. Wir hielten das Boot unter Motor gegen den Wind, um weiter zu reffen. Doch dann fiel der Motor aus, und das Ruder war blockiert. Jetzt trieben wir ohne Motor, ohne Segel und ohne Steuer bei 1,5 Meter Wellenhöhe ziellos dahin. Mit der Taschenlampe leuchteten wir das Wasser ab und entdeckten so ein Seil in unserer Schraube. Schnell stellten wir fest, dass es sich um unser eigenes Seil handelte, das sich vorne beim Anker gelöst hatte und durch einen Riss im Netz gerauscht war und hinter dem Boot hergezogen wurde. Das haben wir jedoch auf Grund der Dunkelheit nicht gesehen. Nach kurzer Beratung entschloss ich mich, tauchen zu gehen, um die Welle von dem Seil zu befreien. Da ein Trimaran jedoch auch ohne Segel bei starkem Wind und Wellengang eine Fahrt von 4,5 Knoten machte, mussten wir das Boot vorher langsamer bekommen. Dafür ließen wir den Anker 10 Meter ins Wasser und ließe dicke Trossen im Wasser treiben. Damit konnte die Geschwindigkeit auf 1,5 Knoten reduziert werden, welche vorwiegend die Strömung darstellte. Zum Glück hatten wir eine leistungsstarke, wasserdichte Taschenlampe, so dass das Ankerseil schnell aus der Welle entfernt werden konnte. Nun musste die Welle wieder in die Kupplung. Dies war jedoch schwer zu bewerkstelligen, da die runde glatte Welle in der Hand durchdrehte und aufgrund der Strömung am Boot nicht zur Kupplung zu ziehen war. Kurzerhand bauten wir den Kupplungsflansch vom Getriebe ab und installierten ihn auf der Welle. So war es möglich die Welle zum Getriebe hinzuziehen und somit wieder am Motor anzubringen. Endlich konnte der Motor wieder angelassen werden. Im Standgas lief er sehr unruhig, da die Motorfüße beschädigt und verbogen waren. Mit etwas mehr Gas lief der Motor aber wieder ausreichend rund, um genügend Fahrt aufnehmen zu können. Unter Motor fuhren wir nun gegen Wind und Welle zurück nach Nassau. Nach kurzer Diskussion mit Harbor Control durften wir den Hafen in der Morgendämmerung wieder anlaufen und schliefen erstmal aus. Aufgrund der negativen Erfahrungen der letzten Tage entschieden sich zwei Mitsegler auszusteigen. Jetzt gab es nur noch meinen Trauzeugen Holger und mich an Bord.
Wir brauchten dann fünf Tage, um die „Pegasus“ wieder so weit zu kriegen, dass wir wieder in See stechen konnten. Ein Auszug aus unseren Tätigkeiten: Mastrutscher ausgetauscht, Luke geflickt, Netz geflickt, Schnellreff entfernt und Bändselreff vorbereitet, Kabel repariert, neuen Proviant gestaut. Wir haben aber auch Sightseeing betrieben. Am besten hat uns Potter’s Pier gefallen, wo wir hauptsächlich Einheimische trafen. Als wir nun endlich los wollten, hörten wir ein lautes „Kabong“. Das war die Nassauer Wasserpolizei, die unser Boot inspizieren wollte, just in dem Moment, in dem wir Anker lichten wollten. Die Wasserpolizei geht nicht zimperlich mit fremden Booten um. Anlegemanöver werden auch schon gerne mal ohne Fender gemacht. Nachdem sie eine Stunde lang mit uns ein Formblatt ausfüllten und an Bord nichts zu beanstanden hatten, legten sie wieder ab. Nun konnten wir endlich lossegeln.
Diesmal sollte uns nichts aufhalten. Wir hatten immer noch starken Ostwind und konnten nicht unseren gewünschten Kurs segeln, so dass wir im Slalom durch die Inselgruppen von Nord Bahamas segeln mussten. Wir fuhren im zweiten Reff, und als wir am Stranger’s Cay ankamen, löste sich der Topp des Besansegels vom Mast. Wir erkannten diesmal, dass nicht die Mastrutscher kaputt gegangen waren, sondern die Schiene am Mast abgerissen war. Dies lag daran, dass der Mast und die Segellatten beim zweiten Reff zu steif waren, um eine gleichmäßige Kraftverteilung auf die Mastrutscher auszuüben, und dass daher das Achterliek und die Segelwölbung die Mastschiene am Segeltopp rausrissen. Wir nähten die Mastrutscher mit Gurtbändern 10 cm vom Segeltopp an und banden den Besan so tief wie möglich am Baum fest, um mit dem Segeltopp unter der kaputten Mastschiene zu bleiben. So konnten wir auf der Atlantiküberquerung den Besan zumindest im zweiten Reff nutzen.
Nun endlich waren wir auf dem offenen Atlantik. Wir hatten um uns rum und vor allen Dingen hinter uns ein kräftiges Gewitter. Wir machten drei Kreuze, dass wir vor dem Gewitter davonsegeln könnten. Wir mussten leicht gegen Wind und Wellen ankreuzen und hatten guten Wind, der uns in den Norden brachte. Die Wellen waren doch sehr beeindruckend. Sie waren bis zu sechs Meter hoch. Die Wellen klatschen seitwärts gegen den Rumpf, und wir zogen mit bis zu 8 Knoten mit dem zweiten Reff im Groß dahin. So segelten wir drei Tage, bevor wir den Kurs nach und nach mehr gen Osten abstecken konnten. An Hand der Wetterbeobachtungen hatten wir bereits im Vorfeld festgestellt, dass, wenn der Wind nicht richtig war, wir zunächst weiter gen Norden segeln mussten, um dann später mit Hilfe der Windänderung gen Osten zu gelangen. Dies klappte auch bei uns sehr gut. Nun segelten wir mehr auf Halbwind- bzw. leichtem Vorwindkurs und konnten uns auf dem Schiff wieder besser bewegen, ohne dass uns die Wellen zu sehr hin und her warfen. Holger reparierte das Radio und spielte ACDC ab. So sausten wir - die Wellen von hinten auf rollend - mit tosendem Wind mit bis zu 16 Knoten durch den Atlantischen Ozean. Was für ein Gefühl! Solange ACDC lief, hatten wir keine Angst mehr, dass etwas passieren könnte.
Durch das Schaukeln dauerten alle Arbeiten, die wir taten, dreimal solange. Am Anfang hatte ich noch viele Pläne, was ich alles am Boot machen wollte. Dadurch, dass ich mit den mir gesteckten Fleißkärtchen nicht vorankam, wurde ich frustrierter. Schließlich gab ich alle Projekte auf und beschränkte mich darauf, das Boot am Segeln zu halten und die übrige Zeit zum Ausruhen zu nutzen. So wurde die Überfahrt für uns dann auch viel entspannter.
Leider fiel drei Tage vor Ankunft auf den Azoren der Autopilot aus, so dass wir rund um die Uhr per Hand steuern mussten. Da wir 45° zu den Wellen fuhren, mussten wir jede Welle steuern. Dies waren sehr anstrengende Tage. Als wir dann dazu den Besan reffen wollten und die Lazies dabei rissen, so dass das Segel auswehte, war ich nahe dran, den Besanmast abzusägen. Bei einem der abendlichen Telefongespräche mit meiner Frau teilte ich ihr mit, dass sie Recht gehabt hätte und der Kauf der „Pegasus“ eine Fehlentscheidung war. Meine Frau baute mich dann jedoch auf, dass unser gemeinsamer Urlaub sehr schön gewesen sei und sie das Segeln mit der „Pegasus“ genossen hätte und alles besser werden würde, wenn ich erst mal wieder genug Schlaf hätte. Holger hatte mir dies bereits vorher genau so gesagt.
Auf den Azoren angekommen, wurden wir für unsere Strapazen belohnt. Die Inselgruppe sieht sehr beindruckend aus. Schroffe Steilküsten mit grünen Wiesen „on top“. Um die Inseln herum große Tümmler (kleine Delphine) ohne Ende. Meine Frau hatte auf den Azoren eine Werkstatt gefunden, welche unseren Autopiloten reparieren könnte. Wir kamen nach 16 Tagen auf See in Horta an.
Hier blieben wir knappe fünf Tage. Zum einen mussten wir doch noch einiges reparieren, und zum anderen mussten wir das Boot auch in Europa einführen. Mit netter Unterstützung klappte dies auch hervorragend.
Nach erneuten zwei Tagen auf See fuhren wir in eine Flaute, die wir mit Dieselwind bekämpften. Danach hatten wir Tage mit sehr starkem Wind. Im Ärmelkanal nahm der Wind kontinuierlich ab. Es ging zunächst nur bis zum Ijsselmeer da der Wind auf Ost drehte. Dort holten wir das Boot einen Monat später ab.
Mein Fazit: Die Entscheidung, das Boot zu kaufen, war richtig, und die Erfahrung, über den Atlantik zu segeln, möchte ich nicht missen. Bei der Technik gibt es heute viele Spielereien, die nützlich sind. Entscheidend ist jedoch, dass man sich darauf einstellt, einige Sachen reparieren zu müssen, um weiter gut voran zu kommen. Am Anfang habe ich mich darüber geärgert, dass bei den Dichtungen der Seitenluken Wasser durchrinnt. Nachdem eine Welle jedoch derartig gegen die Seitenwand dengelte, dass das Geschirr aus dem Rack in die Dusche flog, war ich beeindruckt, dass die Bordwand dem Wellendruck standhielt.
Leider haben wir es 2014 nicht geschafft, bis Eckernförde zu kommen. 2015 hat die Pegasus Wasser nur von Oben gesehen. Nun endlich im Jahre 2016 haben wir es geschafft und hoffen, die „Pegasus“ bald wieder fit zu machen, um einen schönen Sommerurlaub in der dänischen Südsee erleben zu können. Wir wurden auch sehr nett im Verein aufgenommen und freuen uns schon, all die Vereinskollegen näher kennen zu lernen.
Jörg Bäcker

Sommerurlaub in Helsinki

„Lord Jim“ machte nach dem Goldpokal Ferien in fernen Gewässern.

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1036 Lord Jim 5Die Planungen fingen Ende 2015 an, als wir erfuhren, dass der Goldpokal 2016 in Helsinki stattfinden sollte. Da haben wir, meine Frau Jule und ich, gleich gesagt, das ist super, dann segeln wir eine Woche Regatta mit unserem Sohn Jonas, und anschließend machen wir noch zwei Wochen Urlaub in den Westschären von Helsinki.
Die erste wahnsinnige Idee war, die 600 sm von Kiel nach Helsinki zu segeln und zurück zu trailern. aber durch das recht günstige Angebot, mit der Fähre von Travemünde nach Helsinki und zurück zu fahren, waren alle Gedanken beim Segeln in Finnland und nicht durch die Ostsee zu pflügen. (Anmerkung: Das Hamburger Folkeboot „Beluga“ (GER 1020), Eigner Nils Hansen, ist auf eigenem Kiel einmal Ostsee Rund einschließlich Goldpokal gesegelt. Es geht also schon.)
Am Freitag, dem 22. Juli 2016, ging es morgens gegen 03:00 Uhr mit der Fähre Richtung Helsinki. Norbert Schlöbohm fuhr unser Gespann, denn ich durfte zu der Zeit nicht Auto fahren, und Jule hat sich das Fahren nicht ganz zugetraut. Danke, Norbert, für deine Fahrdienste. In Travemünde trafen wir noch weitere Folkeboote, die „Daphne“ (GER 774) von Peter Hosie und die „Positiv“ (GER 731) von Stefan Rosehr.
Am Sonntagmorgen um 09:00 Uhr nach dem Frühstück sind wir vom Anleger in Helsinki Richtung Westen zur Halbinsel Lauttasaari zum veranstaltenden Segelclub HSK gefahren, den wir dank Peter Hosies funktionierendem Navi-Gerät dann auch fanden.
Hier wurden wir herzlich empfangen, so dass wir zur Mittagszeit schon mit „Lord Jim“ im Wasser waren. Nachmittags kam unser Sohn aus Kopenhagen von der ORC-WM mit der „HEAT“ eingeflogen, und wir konnten entsprechend in die Trimmvorbereitung übergehen. Das Schiff wurde leergeräumt und alles in die Ferienwohnung in der Nähe des HSK transportiert. Am Montag war ein Trimmschlag vorgesehen, bei dem wir noch einige Optimierungen vornehmen konnten und das Revier kennen lernten. Bei den z.T. flauen Winden mit 1-2 Bft. und sehr kleinen Patscherwellen haben wir „Rollwenden“ geübt, damit wir so wenig Fahrt wie möglich beim Wenden verlieren.
Das Regattagebiet lag ca. sechs Seemeilen außerhalb des Segelclubs und zwischen zwei wichtigen Fährlinien. Die westliche Linie war der Dauerbetrieb Tallin-Helsinki-Tallin. Diese Fähren führten jedes Mal beim Einlaufen nach Helsinki direkt vor dem Segelclub ein Wendemanöver durch. Das war natürlich für uns nicht optimal.
Der Helsingfors Segel Klub von 1899 hatte mit 66 Folkebooten ein sehr gutes Meldeergebnis. Am Start waren 25x FIN, 13x GER, 10x EST, 9x SWE, 7x DEN, 1x GBR und 1x USA.
Am Dienstag dem 26.07.2016 fingen die Goldpokalregatten mit der ersten Wettfahrt an. Wir hatten supergute Bedingungen mit einem Sommerwetter bei Winden von 1-4 Bft. Bis Sonnabend konnten wir sieben Wettfahrten segeln, wobei wir durch den langen Anfahrts- und Rückweg ins Regattagebiet teilweise bis zu 11 Stunden auf dem Wasser waren. In den sechs Segeltagen sind wir dabei auf ca. 100 sm gekommen.
In der Endabrechnung am Sonnabend sind wir auf dem 29. Platz von 66 Folkebooten gelandet und waren drittschnellstes Holz-Folkeboot. Goldpokal-Gewinner wurde der Däne Per Jörgensen mit DEN 55.
Vielen Dank an den HSK und seine Helfer, die einen sehr schönen Goldpokal organisiert haben. Es gab jeden Tag Einlaufbier, gegrillte Würstchen und die typische finnische Sauna. Der größte Mülleimer in der Sauna war für die leeren Bierdosen vorgesehen, und der war jeden Tag nach dem Rennen voll.
Am Sonntag stauten wir unsere Sachen wieder an Bord. Die Wohnung wurde aufgeräumt und abgegeben, danach war noch Zeit für eine Stadtbesichtigung in Helsinki.
Endlich am Montag fing die große Entspannung an: Jeden Tag etwas segeln, ankern an den Schären, kleine Orte besuchen, wandern auf den Schären und schönes, selbst gemachtes Essen mit gutem Rotwein genießen.
1036 Lord Jim 6Wir sind westwärts erst einmal gegen den Wind gesegelt und konnten in den Schären bei Sommerwetter in kurzer Hose schön kreuzen oder hoch am Wind segeln. Entspannung pur.
Den westlichsten Punkt, die Stadt Hanko (ca. 95 sm westlich von Helsinki), haben wir zusammen mit dem Folkeboot „Beluga“ und einer ihrer vier Rückführungs-Mannschaften erreicht.
Hanko ist eine kleine, gemütliche Stadt mit einem sehr großen Hafen. Das Einkaufen war super und auch das Essengehen direkt an der Hafenmeile war mehr als nett. Den nächsten Tag sind wir dann allein wieder ostwärts vor dem Wind gesegelt. Mit Spinnaker ging es in den Schären nicht so gut, weil die Fahrwasser recht eng sind. Außerdem war am Wochenende ein großes Motorboottreffen, was wir schon aus der Ferne hörten, da alle kleinen und großen und lauten Motorboote Richtung Hanko gebrettert sind. In Finnland gibt es keine Führerscheinpflicht, so dass einige Motorboote sehr knapp an uns vorbei gedonnert sind, obwohl Platz vorhanden war.
Empfehlenswert sind sehr viele Schären, aber drei möchten wir gerne hervorheben:
Die Festungsinsel vor Helsinki mit einem schönen Yachthafen und einem Zentrum für klassische Yachten. Auf einer Werft lagen mindestens fünf Folkeboote, aber leider in einem sehr schlechten Zustand. Auch gibt es hier noch ein sehr altes aber funktionierendes Trockendock.
Elliasaari ist ein schöner, versteckter Hafen, den wir erst nach ca. zwei sm Fahrt durch das Schilf erreichten. Hier können auch große Schiffe bis 2 m Tiefgang festmachen. Am Wochenende fand ein sehr schöner Live Bluesabend im dortigen Café statt.
Jussarö ist eine alte Bergbauinsel, auf der bis in die 60er Jahre noch Erz abgebaut wurde. Hier gibt es einen sonst seltenen schwarzen Strand. Es ist eine sehenswerte Insel mit einer interessanten Geschichte. Die Ruinen der Bergbaustätte stehen dort mitten im Wald.
Nach einer Woche Regatta und zwei Wochen Urlaub ging „Lord Jim“ beim Segelclub HSK wieder auf den Trailer und mit Finnlines von Helsinki nach Travemünde zurück. Von Travemünde sind wir direkt nach Laboe zur German Classic getrailert. Aber das ist ein anderes Kapitel.
Thomas Lyssewski, „Lord Jim“ F GER 316

Ein Baltischer Sommer

„Gunvør“ bereitet sich auf eine erneute Südseereise vor.

Da wir in 2020 wieder in die Südsee wollen und dazu die Crew brauchen, müssen wir also dafür sorgen, dass nicht Kinder, die Fußball spielen oder, Gott behüte uns, Triathlons mitmachen, zur Besatzung werden. Deshalb haben wir uns im Dezember 2015 bei uns zu Hause versammelt, viel Alkohol gereicht (nicht den Kindern!) und den folgenden Sommer geplant. Mit einigen Gläsern Wodka war gleich verschärftes Training angesagt, da eine Sommertour in die Baltischen Staaten und nach Kaliningrad (ehemals Königsberg) beabsichtigt war.

1035 Baltischer Sommer 3Gleich vorab, das mit dem Segeln war so eine Sache. Davon gab es in 2016 nicht so viel. Erst musste die Pfingst-Mannschaft ca. 40 Stunden mit Motor von Hadersleben nach Öland fahren. Danach hatten Daniel Rüter und Jan Keppler mit ihren Familien das Vergnügen, den Motor 20 Stunden lang von Gotland bis Estland zu benutzen. Ob die ca. 500 Seemeilen, die Arne Moritz dann hoch am Wind bei bis zu 35 Knoten Wind von Gdansk nach Gelting segelte, besser waren, ist fraglich. Klar ist, dass mindestens 1,5 Personen (Yella ist schwanger) mit gestörtem Gleichgewicht nicht von den Vorteilen der 30°-Neigung eines Segelschiffes an der Kreuz überzeugt waren. Nein, 2016 war kein guter Segelsommer.

Die Überführung von Dänemark zur Ostküste Schwedens wurde von meiner üblichen dänischen Pfingstcrew in einem Rutsch gemacht, mit nur einem (sehr empfehlenswerten) Stopp auf Christiansø, nordöstlich von Bornholm. Die zwei Klippen haben Jahrhunderte lang den Dänen als Festung gedient. Wir hatten das besondere Vergnügen, eine Führung durch eins unserer Besatzungsmitglieder zu bekommen, da der 17. Vorfahre seiner Familie dort als Kommandant vor 350 Jahren maßgeblich an dem Bau der Festungsanlagen beteiligt war.

Daniel Rüter und Jan Keppler haben dann zwei Wochen getestet, ob man gut mit sechs Erwachsenen und zwei zweijährigen Kindern auf der „Gunvør“ segeln kann. Bei der obligatorischen Crewparty in Tallinn, wo Sheila und ich das Schiff wieder übernommen haben, hatten wir den Eindruck, dass dies nur mit einem klaren Ja zu beantworten ist. Die vordere Eignerkoje mit dem großen Lee-Segel scheint eine hervorragende Spielwiese zu sein und auch im Salon scheint es ausreichend Platz zu geben, um alle erdenklichen Spielsachen entgegen allen erdenklichen TÜV-Vorschriften herumzustreuen. Verblüffender Weise haben wir nachher nur eine einzige, kleine Kindersocke gefunden, statt den von uns erwarteten Massen an Spielzeug, Windeln und anderen Hinterbleibseln. Wenn Teenager in der Vergangenheit an Bord gewesen sind, hatten wir eine viel größere „Ausbeute".

Die nächste Woche wurde bestimmt durch unsere estnischen Freunde, die eine ausgeprägte Liebe zu ihrem Land mit einem sehr großen organisatorischen Talent verbinden. Wunderbare Segeltörns zwischen den Inseln im Westen Estlands wurden mit ausgiebigen Ausflügen an Land gekoppelt. Highlights waren das Mittagessen mit dem Premierminister Estlands (zufällig am Nachbartisch im Hafen von Dirhami) und das Elf(!)-Gänge-Menü im Padaste-Herrenhaus auf der Insel Muhu.

1035 Baltischer Sommer 5In der Nähe von Pärnu gab es dann den nächsten Crewwechsel. Eine 100% kanadische Crew ging an Bord und konnte in den verschiedenen Häfen zumindest vom Akzent überzeugend die Frage nach dem Wahrheitsgehalt des kanadischen Heimatshafens beantworten. In Roomasaare kreuzten sich die Wege der „Gunvør“ wieder, da Daniel und Jan diesen als ersten Hafen in Estland angelaufen hatten. Der Hinweis des Hafenmeisters, dass wir uns auf den üblichen Platz legen sollten, war aber nicht sehr hilfreich. Dafür gab es eine kanadische Gästeflagge am Fahnenmast. Es war eine hervorragende Marina, wie fast überall im Baltikum. Wer dort segelt, kann mit eigenen Augen sehen, wie die EU versucht, auch in entlegenen Gebieten den Lebensstandard zu verbessern. Nicht nur sind die Anleger komplett renoviert, auch die sanitären Anlagen sind in einem Topzustand, meist mit dazugehöriger Sauna. Hinzu kommen die sehr zuvorkommenden Hafenmeister(innen), so dass man sich als Gastlieger sehr willkommen fühlt.

Leider konnten wir auf Grund des Tiefganges nicht in Kuressaare einlaufen, hatten aber das Vergnügen, dass wir das sehr sehenswerte Schloss aus den Mast der „Gunvør“ sehen konnten. Hinzu kam, dass es im Schloss eine interessante Ausstellung über die Geschichte Estlands gibt, die, was besonders der Besatzung gefiel, von der Estnischen Gemeinde in Toronto/Kanada mitfinanziert ist.

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