| Absegeln 2009 in Glückstadt |
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Orkan? Macht nichts, wir kommen trotzdem! von G.-A. Nietsch Das waren wirklich keine guten Voraussagen für das Wochenende vom 3. auf den 4. Oktober 2009, an dem das Absegeln geplant war. Schon Tage vorher konnte man lesen, dass gerade dann das Orkantief „Sören“ über Nordeuropa hinweg ziehen sollte. Kein Wunder, wenn manchem Segler da ein lange verschobener Besuch bei Verwandten oder eine interessante Fernsehsendung zum Tag der Deutschen Einheit plötzlich wichtiger erschien. Und dennoch – man staunt immer wieder, wie viele SVAOer vor nichts zurückschrecken, wenn ein Fest ansteht.
Wer es einrichten konnte, warf schon Freitag Nachmittag bei noch passablem Wetter mit drei Bft. aus Westnordwest die Leinen los und kreuzte elbab in Richtung Glückstadt. Einige blieben in Stadersand über Nacht hängen, andere hielten durch und erreichten den Zielhafen vor Einbrechen der Dunkelheit oder auch später. Auf jeden Fall war das eine gute Wahl, denn das Segeln war herbstlich schön, wenn auch ganz schön frisch. Am nächsten Morgen briste es schon mit 5-6 Bft, allerdings hatte der Wind auf Südwest gedreht und erlaubte somit geschrickte Schoten und rasche Fahrt. Das zog. Zuerst trafen die Stadersander schon kurz nach acht Uhr morgens in Glückstadt ein, die in Wedel Gestarteten später am Vormittag mit der letzten Ebbe oder gar schon gegen die erste Flut. Im Hafen war ungewohnter weise ausreichend Platz, und ein rühriger Hafenmeister half und kümmerte sich ebenso ungewohnt. Ein schönes Bild boten zahlreiche alte Gaffelsegler, die bei der Anreise mächtig in Fahrt gekommen waren und nun vereint, wenn auch etwas unruhig, an der nördlichen Kaimauer in Päckchen lagen. Die SVAOe-Yachten zeigten, was sie an Flaggen hatten und vergrößerten so, zumindest optisch, ihren Auftritt. Es waren anwesend: Albuera (Baum), Cool Runnings (Eckhoff/Schütt), Fierboos (Körner), Luise (Lunau), Otium (Nietsch), Pax (Stryi), Penguin Cafe‘ (Münzel), Sirkka (Dartsch), Steady (Mager), Tentakel (Müller), Tilda (Brügge/Anders), Turbemus (Raddatz). Wie gesagt: das war keine sehr große Flotte, aber angesichts der Wetterlage dennoch eine beachtliche.Der Tag verging abwechslungsreich bei zunehmendem Wind, der das Hauptthema bildete, mit Schnack von Bord zu Bord, Kaffeetrinken, Spaziergängen über Hafengelände und Deich. Das Nachmittagshochwasser hatte schon eine eindrucksvolle Höhe von etwa 1,50 Meter über mittlerem Hochwasser. Für nachts wurde eine schwere Sturmflut angesagt. Es war Beginn der Springzeit. Die Caravans, die außendeichs dem Geschehen zusehen wollten, verzogen sich. Schiffe schwimmen ja bekanntlich, und solange die Pfähle hoch genug sind, auch sicher. Es briste weiter auf. Im Revierfunk konnte man hören, dass die Ankerplätze auf den Reeden knapp wurden. Ab sechs Uhr abends strömten die ersten Gäste zum Befeiern des Absegelns in die „Alte Oper“. Dieser Ort hat ja Vor- und Nachteile für besagten Zweck. Zunächst hat er Tradition, und die geben Segler nicht so gerne auf. Vor allem verfügt er aber über Bowlingbahnen in dem Saal, in dem zu Zeiten, als Glückstadt dänische Festung war, Arien gesungen wurden. Ob das bei modernen Musiktempeln wie der „Neuen Flora“ auch einmal so sein wird? Ob die überhaupt 200 Jahre überstehen? Ein Nachteil der „Alten Oper“ ist, dass man da nicht so gut… oder sagen wir mal, dass es Restaurants in Glückstadt gibt, in denen man besser essen kann. Daher gehen einige Gruppen lieber anfangs anderswo hin und erscheinen in der Oper erst ab etwa 21 Uhr. Dann füllen sich Tresen und Tische. Und es darf geraucht werden. Und wie! Von diesem aber völlig unberührt tummeln sich Kinder und Jugendliche mit großem Spaß beim Bowling. 19 wurden auf vier Bahnen gleichzeitig gezählt. Damit bildeten sie eine erfreulich große Fraktion der gesamten Teilnehmerzahl. Alle hielten lange durch. Von dem draußen tobenden Unwetter drang nichts herein. Wenige mögen nachts nach dem Hochwasser geguckt haben. Es erreichte zwei Meter über dem mittleren Stand. An Bord wäre man jetzt nicht mehr gekommen. Aber alles hielt. In den Riggs jaulte es. Am nächsten Morgen hatte der Wind auf West gedreht, aber keineswegs abgenommen. Bei dieser Windrichtung steht unangenehmer Schwell in den Hafen, unter dem vor allem die Gaffelsegler an den Reibepfählen zu leiden hatten, aber sie wurden damit fertig. Nach dem Frühstück kam die entscheidende Frage: „Gehen wir los oder lassen wir unser Schiff in Glückstadt liegen?“ Alle entschieden sich fürs Losgehen. Und das war berechtigt. Unter kleinsten Segeln bei halbem bis raumem Wind war die Heimfahrt kaum ein Problem. Der Seegang wurde von der Flut glatt gebügelt, und so wurde es für alle wohl eine Rekordzeit.Insgesamt war es natürlich schade, dass gerade zum Absegeln der erste Herbststurm über die Küste zog. Man hätte sich eine große Zusammenkunft möglichst vieler SVAOe-Segler und –Motorbootfahrer einschließlich Kutter und Jollen gewünscht, die bei mildem Herbstwetter ein lockeres Abschlussfest feiern. Es kam anders. Aber wer dabei war, für den hatte es sich doch gelohnt. |


