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Philomena schreibt aus Norwegen - 3 Drucken

Rosi Eckhoff, 16.6.2012. Polarkreisüberquerung oder "Wo ist er denn???"

Gestern sind wir nach Tonneshavn gesegelt, das liegt etwas drei Meilen vor dem Polarkreis. Um nach der Polarkreisüberquerung noch in den Holandsfjord zum Gletscher Svartisen zu kommen, haben wir die Tour so geplant. Wir wollten auch genug Zeit haben, um eine kleine Polarkreis-Taufe und eine kleine Feier zu zelebrieren.

Am gestrigen Abend wurde dann recherchiert und diskutiert, wo denn nun der Polarkreis genau ist. Am Monument jedenfalls nicht, das ist klar. Vorsorglich haben wir uns aber mal mit dem Monument im Hintergrund aufgebaut.norwegen-3-5

 

Von da aus sind es nochmal ungefähr drei Meilen. Nach den offiziellen Seiten der Norweger liegt der Polarkreis auf 66 Grad und 33,733 Minuten. Eggert meinte, das könne er mit einer Genauigkeit von ca. 18cm genau anfahren. 18cm bei einer Bootslänge von 14m finden wir akzeptabel.

Dieser Punkt wurde jedenfalls eingestellt und bei der Überquerung runtergezählt.

Bei "Null" hat Zischi seine Füße in das 10 Grad kalte Wasser gesteckt und wir haben eine Pütz Wasser an Bord genommen, damit wir unsere Taufe ordnungsgemäß durchführen konnten.

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Das war schon was. Unser Kapitän hat dann Zischi und mich getauft und unser zweiter Kapitän dann Eggert.

Guckst du hier:norwegen-3-4norwegen-3-3

Ausnahmsweise gab es dann einen Gin-Tonic für Zisch und Kinder-Drinks für Rosi und Eggert.

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Wie Götz uns geschrieben hat, dürfen wir jetzt nach dem Essen beide Füße auf den Tisch legen.


"There used to be a custom among sailors which accorded to all those who had sailed around Cape Horn the right to put one foot on the table after dinner, while those who had crossed the Arctic circle could put both feet on the table." (aus einer amerikanischen Segelsportzeitschrift)

Ob wir das wollen?

Nun sind wir jedenfalls auf dem Weg zum Gletscher Svartisen, der schon ab und zu auf unserer Steuerbordseite auftaucht. Heute Abend kommt Gletschereis ins Getränk.

 

28.6.2012.  In Nordnorwegen

Hallo ihr "Südländer", 

nun gibt es wieder ein paar Neuigkeiten von Philomena aus Norwegen. Wir sind nun an Harstad vorbei (knapp 69ster Breitengrad) und bewegen uns Richtung Tromsoe und dann weiter nördlich. Das Wetter ist überwiegend sehr gut, allerdings etwas "morgenfrisch", wenn die Sonne mal hinter einer Wolke verschwindet. Das ist dann etwa so, als würde einer den Schalter umlegen. 

Was ist in Norwegen anders? Also, der Norweger ist ganz groß im Steine-Anbau und baut diese auch gern mal wieder ab. 

Die Schafe tragen Kuhlglocken und die Kühe laufen in völlig unwegsamen Gelände. 

Der feingemahlene Kaffee ist grobkörnig und der grobgemahlene gleicht einer Sammlung von Steinchen. 

Bis zum Polarkreis fand man in eigentlich jedem Hafen eine Toilette, Duschen und meistens auch Waschmaschinen samt Trocknern. Seit wir drüber sind, gibt es nahezu keine Klos mehr, hat man hier einfach nicht, von Duschen ganz zu schweigen. Selbst in einer großen Stadt wie Bodoe, nix. nada, niente. 

Die Fotos in den Hafenhandbüchern (angeblich aktuell) stimmen erst hier oben im nördlichen Norden, vorher fand man überall ein anderes Hafenbild, da der Norweger an sich auch gern baut und auch schnell. Da ist dann mal ruckzuck eine Hafencity, wo vorher nichts war. Es wird einfach eine neue erste Reihe aufgeschüttet und schon wohnt die neue zweite Reihe nicht mehr "Waterfront". 

Es gibt Fisch ohne Ende aber man findet keinen Fischladen. Fisch fängt man hier selbst oder man bekommt halt keinen. 

Es kommt kein Hafenmeister und ballert um 07.00 Uhr mit einem Stock an das Boot und verlangt Hafengeld. Hier nimmt man sich eine Tüte aus einem Kasten, tut das Geld rein und wirft es in einen anderen, verschlossen Kasten, fertig. 

Je nördlicher wir kommen, desto günstiger wird das Hafengeld und auch die Restaurants werden erschwinglich, obwohl es angeblich umgekehrt sein soll. 

Die Vollmilch heißt hier "heile" Milch und auf jeder Tüte ist ein Übersegler der jeweiligen Küste. Hier ist also "Milchtütennavigation" angesagt. 

Beim Einkaufen brauchen wir für zehn Teile etwa drei Stunden, da man hier unbedingt die Preise vergleichen muss, sonst wird man arm. Außerdem braucht es gute Kniegelenke, denn hier gibt es tatsächlich die berühmte "Bückware", die deutlich günstiger ist. Es gibt z.B. Salami mit gleichen Inhaltsstoffen und gleichen Fleischgehalt für NOK 100.-- pro kg (sozusagen saubillig) und NOK 395.-- pro kg. 

Wenn wir uns morgens anziehen, müssen wir uns den ganzen Tag merken, wieviele Hosen wir anhaben (2, 3, 4 oder 5). Das ist wichtig, wenn es mal schnell gehen muss...na, ihr wisst schon.... 

Wir werden nicht richtig müde, weil die Sonne noch um Mitternacht und jetzt überhaupt die ganze Nacht auf uns runterscheint und wir nicht komplett verdunkeln können. Allerdings geht die Beleuchtung (am Steg oder auf der Straße) trotzdem um sieben Uhr Abends an. In den Geschäften leuchtet es sogar die ganze Nacht. 

Kreditkarten arbeiten hier nur mit PIN. Wenn man eine hat, die beides kann, ist man am Tankautomat aufgeschmissen, weil der döschige Automat natürlich keine Unterschrift will, die Karte aber eine verlangt. Wir müssen nun also immer "bemannte" Tankstationen suchen.....das ist schwer..... 

So, nun seid ihr wieder auf dem Laufenden, womit wir uns so die Zeit vertreiben.

Die Gegenden sind abwechslungsreich und es ist wirklich wunderschön. Es vergeht kein Tag, an dem wir uns nicht freuen, dass wir diese Reise machen können.

Alles Liebe von

Eggert, Zisch und Rosi aus Nord-Norwegen