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Philomena schreibt aus Norwegen - 2 Drucken
Rosi Eckhoff, 11.6.2012. 

Wir haben unseren Rhythmus gefunden oder "Wie leben wir so an Bord"

Alesund, 03.Juni 2012, Das Bordleben ist doch etwas anders, als das Leben an Land. Dort hat jeder sein Haus oder seine Wohnung und wurschtelt nach seinem Gusto vor sich hin.

An Bord kann es schon mal eng werden, obwohl man bei Philomena nicht wirklich von "Enge" sprechen kann. Wir haben vier Kammern und die haben auch Türen, die man schließen kann.

 

Zwei dieser Kammern sind zur Zeit mit Segeln belegt, Kammer rot und Kammer blau (ihr erinnert euch, bei uns hat alles Farben).

In Kammer gelb wohnt Zisch und im Vorschiff ist die Kammer von mir und Eggert, die auch für jede Reservierung tabu ist. Irgendetwas muss auch mal uns allein gehören.

Im Salon darf man sich grundsätzlich seinen Platz aussuchen, aber nicht den von Eggert oder Rosi oder Zisch, da sind wir eigen.....

Allerdings gibt es an Bord tageszeit-abhängige Plätze. Warum das so ist, wissen wir selbst nicht. Morgens sitze ich neben dem Mast, Eggert an der kurzen Seite gegenüber und Zisch auf dem "Sofa". Abends ist das anders. Da sitzt Eggert auf dem Platz von Rosi, Rosi geht auf die "Sitzgruppe Björn" (Mittelbank) und Zisch sitzt auf Eggerts Platz, außer beim Karten spielen, da sitzt er dann wieder auf dem Sofa (sonst kann er mir in die Karten gucken....).

Auch die Schlafzeiten sind strikt geregelt. Eggert geht als erstes in die Koje, Rosi und Zisch rauchen dann noch im Cockpit während der Salon lüftet und spätestens um Mitternacht hängt "die Hose kalt am Haken".

Zisch leidet angeblich unter "prä-seniler Bettflucht" und steht dann so gegen neun Uhr auf. Er braucht auch seine Zeit für sich. Da wird dann schon mal Kaffee gekocht, Brot gekauft, vielleicht geduscht und mal in die Fremdenführer geguckt.

Eine Stunde später fallen Eggert und ich aus dem Bett. Eggert macht dann mit Zisch Frühstück und ich versuche mich zu waschen oder zu duschen (sonst bin ich zu nix nütze...). Unser Frühstück geht so bis ca. elf Uhr, dann klaren wir auf und schippern relativ pünktlich jeden Tag um 12.00 Uhr los. In Norwegen ist das alles kein Problem, weil kein Norweger früh auslaufen will.

Unterwegs steht Eggert am Ruder, wie festgetackert, Zisch macht Navigation und rennt immer rauf und runter (obwohl Eggert ein "Mäusekino" am Steuerstand hat) und ich mache irgendwas, zum Beispiel schreiben oder Fotos sortieren, swiffern und Bad putzen oder ich sitze bei Eggert und gucke in die Landschaft.

Gelegentlich ertönt dann Ruf von Zisch: "Rosiiiiiiii, Arbeit!!!!!" Dann muss ich an Deck und es werden Segel gezogen und hart getrimmt.

Im Hafen angekommen, mischt Zisch dann unseren Einlaufdrink und das mit viel Liebe. Nur wenn es ein Heißgetränk geben soll, muss ich ran.

Danach machen wir uns auf die Suche nach Nahrung. Das bedeutet, dass wir den Ort abklappern und eine Nahrungsquelle suchen, die bezahlbar ist, sonst wird gekocht und das mache ich dann auch. Ja, entgegen allen Gerüchten, ich kann sehr wohl kochen. Wenn ich es nicht so oft mache, liegt es daran, dass ich dabei keine wahre Leidenschaft empfinden kann....pfffff.

Am Abend wird ein bisschen "computert", Wetter geguckt, kurz geplant, was am nächsten Tag passieren soll und geklönt. Danach geht Eggert in seine Ecke und liest, während Zisch und ich uns eine Canasta-Schlacht liefern.

So vergehen unsere Tage und die Falten im Gesicht glätten sich langsam, der Teint wird frischer, da wir schon Sonne abbekommen und die Zipperlein werden weniger.

Immer wenn wir sagen: "Haben wir es gut .", antwortet Zisch: "Schlechter wollen wir es auch nicht mehr haben".

Recht hat er!

 

Kristiansund, 06.06.2012

Probleme oder "Entscheide dich endlich!"

Es ist alles so furchtbar schwierig! Immer muss man so schwere Entscheidungen treffen.

Nun sind wir doch extra für eine Saison "ausgestiegen", damit wir den elenden Tageskram von zu Haus los sind.

Im Büro wollen dauernd irgendwelche Kunden oder Mitarbeiter was von mir, die Kinder rufen im Stundentakt mit der Einleitung: "Du Mamaaaa.......",  an, das Auto muss zum TÜV, der Kühlschrank ist leer, im Keller ist ein Wasserrohrbruch usw. usw.

Also nix wie weg.

Ja, denkste! An Bord geht es munter weiter.

Der Morgen fängt schon fürchterlich an. Soll ich überhaupt aus meiner warmen Koje kriechen? Was ist mit Duschen? Schon wieder dran? Mit Haare oder gehn die noch durch?

Was ziehe ich an? Mit Underlayer (Stierchen fragte früher immer: "Nato-oliv, Winter, lang?") oben und unten oder nur unten? Reicht der Pulli oder muss es der Plüschi sein? Wie ist die Lage an der Unterhosen-Front?

Hat man diese Hürden bewältigt, geht es beim Frühstück wieder los. Gekochte, gebratene Eier oder Rührei? Mit Speck und Tomaten oder nur Speck oder......?

Ein oder zwei Scheiben Brot? Sind die Tomaten abgespült? Reicht die Gurke noch?

Dann muss man dauernd Auskunft geben. Sind die Eier gut gekocht? Ist der Kaffee stark genug? Ist noch Milch für Eggerts Kakao da?

Nach dem Frühstück kommen die wirklich harten Entscheidungen. Fahren wir heute überhaupt los? Wenn ja, 30, 40 oder gar 50nm? Kann man da einkaufen oder müssen wir jetzt noch los? Lebensmittel-Check am frühen Morgen (so ca. gegen 11.00 Uhr).....

Ist der Liegeplatz im nächsten Hafen geschützt oder werden wir alle Fender brauchen, die die Backskisten hergeben?

Fragen über Fragen. Es ist wirklich zum Verzweifeln.

Heute morgen hat Zisch doch ernsthaft gefragt, ob denn Schleswig-Holstein schon eine neue Regierung hätte?

Regierung? Was ist das denn? Hat Griechenland vielleicht längst wieder die Drachme eingeführt? Keine Ahnung.....

Was sind denn das für läppische Probleme?

Sag mir lieber einer, wo meine Handschuhe liegen!!