| Zwölfte Elbe-Klassik |
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10.6.2011, Ulrich Körner. „Elbe Klassik“ nennt der Freundeskreis klassische Yachten seine Veranstaltung auf dem heimischen Revier, die jedes Jahr einen anderen Ort zum Ziel hat, die diesjährige am Sonnabend, 21.5.2011, mit Heiligenstedten einen eher selten angelaufenen Hafen. Da die vorherige in Wischhafen geendet hatte, liegt dort der Start in Form eines lockeren Treffens sonnabendmittags. Trotz angesagtem Schwachwind, eher zu „null“ tendierend, elbab mit schöner Kreuz bei mäßiger Brise. Vor Wischhafen finden sich über 30 höchst unterschiedliche Boote ein: Rennjollen, Jollenkreuzer, viele KR-Yachten. Mit dabei auch Vertreter der Hamburger Folkebootflotte, die mit dem alten Meisterboot „Lord Jim“ diesmal das sogenannte Führungsboot stellt, das die Meute beisammenhalten und daher nicht überholt werden soll. Segelt wird zunächst im Geschwader, schließlich will man sich an dem Anblick der Boote und dem gemeinsam Erlebtem erfreuen. Geschickt führt Thomas Lyssewski die Boote zwischen südlichem Tonnenstrich und dem Brammer, auf dem sich an diesem Tag 35 (!) Seehunde höchst zutraulich dem Sonnenbad hingeben. Noch ein gemächlicher Kreuzschlag, denn es gilt drei der Hansestadt zueilende Containerschiffe passieren zu lassen, um dann bei Stauwasser die Störmündung am Nordufer anzulaufen. Leider tritt bei Tonne „Stör 3“ die Prognose „null“ von windfinder.de ein. Die Veranstaltung steht unter dem Motto: „Auf den Spuren der Störregatta“, die seit 1948 jedes Jahr von den ansässigen Sportbootvereinen veranstaltet wird und wohl eine der ältesten sportlichen Veranstaltungen entlang der Stör ist. Daher sollen eigentlich nach der Passage des Sperrwerkes einige lockere Segelstunden eingelegt werden. Mangels jeglichen Windes können die Spuren aber nur motorend (oder geschleppt) erahnt werden. Was auch mit einsetzender Flut einen zweistündigen Konvoi durch die wunderschöne Marschenlandschaft bedeutet, der erst mit der Passage der Klappbrücke in Heiligenstedten endet. An den stromseitigen Steganlagen der Seglervereinigung Itzehoe vor dem alten Schloß kann in großen Päckchen festgemacht werden, um zu Fuß auf die andere Flußseite zu wechseln, an der bekanntlich eine der ältesten Kirchgründungen Norddeutschlands steht. Die Türen stehen offen, in Erwartung eines besonderen Höhepunktes geht es ungewohnt treppab: ein Konzert der „Compagnia Vocale Hamburg“ mit klassischer Chormusik. Der 26-köpfige Kammerchor unter Leitung des Landeskirchenmusikdirektors Wulf bietet Kunstgenuß auf ganz hohem Niveau. „Von Hassler bis Pärt“. Klassik trifft auf Klassik. Ein echter „cross-over“, wie SVAOe- und Chor-Vorsitzender Andreas Völker betont: die Verbundenheit der klassischen Künste des Segelns und der des Chorsingens. Wie sehr das Leben am Fluß durch die Natur geprägt ist, kann der plakatierten Einladung zu diesem kulturellen Ereignis entnommen werden. Als Hinweis auf den Beginn ist zu lesen: „2 Stunden vor Hochwasser“. Die Kirche ist gut gefüllt, nicht nur mit Seglern.
Wanderpreise gibt es bei Grill und Faßbier vor dem schönen Clubhaus mit tollem Panorama. Mit dem Brötchenservice zum Morgenhochwasser am Sonntag (gefühlt frühmorgens) machen sich die Yachten auf den Weg in ihre Heimathäfen. Wer wie wir erst bei Niedrigwasser an der Störmündung ankommen will und daher noch in Ruhe am Schloßsteg oder in einem der Störhäfen frühstückt, erwischt gerade rechtzeitig mit dem Winddreher auf SW den Anlieger für die Heimreise. „Brunsbüttel Elbe-Traffic“ verbreitet auf Kanal 68 Windwarnungen. Einzelne Schauer und Gewitter mit Böen 9. Kurz vor Brunshausen zieht es knallschwarz auf. Wie mit dem Messer geschnitten kommt eine fulminante Schneise massiven Wassers waagerecht über uns her, jegliche Sicht raubend. Rauschende Blindfahrt nach Kompass, doppelt gerefft, kleine Fock, Leedeck im Wasser, dann ist nach wenigen Minuten der Spuk vorbei. Der Wetterbericht hatte recht: mehr als 9 war da nicht drin.
Wir hatten ein schönes, abwechslungsreiches Wochenende mit einem lohnenswerten (leider nur selten angelaufenen) Ziel und ganz, ganz viel Gastfreundschaft. Liebe Chorsänger, liebe Itzehoer: Vielen Dank! Mit dabei waren: „Alamak“ (Zeiher), „Bonito“ (Glimm), „Fierboos“ (Körner), „Lord Jim“ (Lyssewski), "Luise" (Lunau)„ Svea“ (Treu), „Tectona“ (Schlöbohm) und „Woge“ (Jacob). Fotos von Jan op de Hipt
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Trotz großem Applaus fallen längere Zugaben dem nahenden Hochwasser zum Opfer. Die Boote sollen in den kleinen Dockhafen verlegen. Die Ansteuerung im querlaufenden Reststrom ist ungewohnt, zum Glück steht der Hafenmeister mit großer Helferschar an der Zufahrt und weist jedes Schiff ein. 3,85 m ist das absolute Maß aller Dinge. Das bedeutet für große Boote man gerade eine Handbreit Luft an jeder Seite und ist gern kommentiertes Ereignis.
